SIMON GEISSBÜHLER

Dr.rer.soc.

Bücher

Der einarmige Auswanderer. Eine Spurensuche vom Emmental nach Argentinien (2016) Romania and the Holocaust (2016) Die Schrumpf-Schweiz. Auf dem Weg in die Mittelmässigkeit (2014)
Kiew – Revolution 3.0. Der Euromaidan 2013/14 und die Zukunftsperspektiven der Ukraine (2014)
Once Upon a Time Never Comes Again. The Traces of the Shtetl in Southern Podolia (Ukraine) (2014)
Blutiger Juli. Rumäniens Vernichtungskrieg und der vergessene Massenmord an den Juden 1941 (2013)
Like Shells on a Shore. Synagogues and Jewish Cemeteries of Northern Moldavia (2010)
Spuren, die vergehen. Auf der Suche nach dem jüdischen Sathmar/Satu Mare (2010)
Jüdische Friedhöfe der Bukowina. Ein Bilderbuch für Touristen und gegen das Vergessen (2009)
Der amerikanische Neokonservatismus und die Aussenpolitik der USA (2008)
Babuschka Anna. Das Leben einer ukrainischen Bäuerin im 20. Jahrhundert (2007)

Geissbühler, Simon und Daniel Ryf (2016). Der einarmige Auswanderer. Eine Spurensuche vom Emmental nach Argentinien. Zürich: NZZ Libro.

Der einarmige Auswanderer

Geissbühler, Simon (ed.) (2016). Romania and the Holocaust. Stuttgart/New York: ibidem/CUP.

Romania and the Holocaust
  • Geissbühler, Simon (2014). Die Schrumpf-Schweiz. Auf dem Weg in die Mittelmässigkeit. Bern: Stämpfli.

Geissbühler, Simon (2014). Die Schrumpf-Schweiz. Auf dem Weg in die Mittelmässigkeit. Bern: Stämpfli.

Die Schrumpf-Schweiz
  • Berner Zeitung (28.3.2015)
  • Rezension der „Schrumpf-Schweiz“ in „Finanz und Wirtschaft“ vom 22.10.2014

    Als Haupttitel wäre vielleicht „die Degenerier-Schweiz“ passender. Der Autor, promovierter Historiker und Politologe und als Diplomat in Bundesdiensten stehend, beschreibt in dieser gerafften Analyse eine Reihe unheilvoller Entwicklungen, die das Land allmählich auf europäisches Durchschnittsmass absinken lassen: zu viel Staat, entsprechender Verlust an Wohlstand und, vor allem, Freiheit. Dass eine solche durchaus etwas kulturpessimistische Kritik aus einer liberalen Grundhaltung heraus erfolgt, versteht sich da schon fast von selbst.

    Geissbühlers Generalthema ist die individuelle Freiheit, das häufig als vorgestrig belächelte Recht, in Freiheit und Selbstverantwortung zu leben, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden – die Essenz der Eidgenossenschaft: „Klar ist, dass die Schweiz ohne Freiheit keine Daseinsberechtigung hat.“ Leider ist manche solche Aussage heutzutage nicht mehr banal; zu sehr ist der „Mainstream“ (also Denk- und überhaupt Faulheit) in Staatsfrömmelei und Wohlfahrtsromantik abgedriftet. Ein nicht geringes Verdienst ist es, dass der Autor einige allzu gängige Gebetsformeln zerpflückt: etwa die implizite oder explizite Gleichsetzung von Chancen- mit Ergebnisgleichheit, auch von Umverteilung mit Gerechtigkeit, das ignorante bis sogar böswillig-demagogische Gezeter vom neoliberalen Zu-Tode-Sparen des Staates, den heimtückisch-sinnwidrigen Newspeak von „Steuergeschenken“ – sachlich zutreffend sind Steuern nichts anderes als eine Form von Zwangsarbeit, wie Geissbühler den amerikanischen Philosophen Robert Nozick zitiert.

    Rezepte gegen die Mentalitätswende zum Schlechteren offeriert der insgesamt skeptisch gestimmte Verfasser nicht, Die Lektüre ist daher eher besorgnisverstärkend als ermutigend, selbst wenn der Leser manches anders sehen wird.
  • Basler Zeitung (16.9.2014)
  • NZZ am Sonntag (28.9.2014)
  • Der Bund (3.10.2014)
  • Strategie Dialog 21: Gespräch (Urs Rauber/Nathaly Bachmann Frozza) über das Buch "Die Schrumpf-Schweiz" von Simon Geissbühler auf Youtube (1.10.2014)
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (28.10.2014): „Aber die Schweizer haben es auch selbst in der Hand, ob ihr Land weiterhin eine wirtschaftliche Spitzenposition einnimmt. In einem kürzlich erschienenen Buch glaubt der Diplomat Simon Geissbühler eine „Rentnermentalität“ und einen Hang zur staatlichen Rundumversorgung zu erkennen. Der Autor dramatisiert die Lage, aber schon den offenkundigen Tendenzen gilt es zu wehren. Eigenverantwortung, Forschung und Entwicklung, Qualität der Produkte und Zuverlässigkeit in den Dienstleistungen: Damit ist die Eidgenossenschaft groß geworden. Sie bilden auch ein Erfolgsrezept für die Zukunft.“
  • Eine Replik, die nie publiziert wurde: Es ist unüblich, als Autor auf eine durchaus wohlwollende Rezension im „Bund“ („Am Abhang“, 3.10.2014) und einen kritischen Leserbriefe zu ebendieser Buchbesprechung (9.10.2014) zu antworten. Zweierlei gilt es indes klarzustellen. Erstens habe ich den Staat nie als Mafia bezeichnet; vielmehr zitiere ich in meinem Buch „Die Schrumpf-Schweiz“ eine entsprechende Aussage des libertären Philosophen Murray Rothbard – mehr provokativ-spasseshalber und um mich vom Libertarismus abzugrenzen. Ich bin für einen schlanken und starken Staat, der sich auf seine Kernkompetenzen konzentriert. Im Übrigen finde ich es merkwürdig, dass Staatsangestellten offenbar Maulkörbe und Denkverbote erteilt werden sollen. Auch Staatsangestellte sollen als Bürger den Staat und die ausufernde Staatstätigkeit kritisch hinterfragen dürfen. Es geht mir keineswegs darum, den Staat abzuschaffen, sondern um eine ernsthafte Debatte über die Grenzen (des Wachstums) des Staates. Zweitens zielt der Vorwurf eines Lesers, mein Buch sei ‚neoliberal unterbelichtet‘, ins Leere und bestätigt genau meine These, dass es in der Schweiz nahezu unmöglich geworden ist, Positionen auch nur ein paar Millimeter neben dem Mainstream zu vertreten, ohne dass gleich die Neoliberalismus-Keule geschwungen wird. Es ist halt einfacher, den Andersdenkenden zu schubladisieren, als sich seriös mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen. Im Übrigen: Ja, ich bin ein Liberaler - und stolz darauf.
  • Eine weitere unveröffentlichte Replik – auf die Rezension meines Buches in der NZZ: In Anbetracht der Tatsache, dass innerhalb von nicht einmal einem Jahr alle drei von mir publizierten bzw. herausgegebenen Bücher in der NZZ prominent und überwiegend positiv rezensiert worden sind („Blutiger Juli. Rumäniens Vernichtungskrieg und der vergessene Massenmord an den Juden 1941“; „Kiew - Revolution 3.0. Der Euromaidan 2013/14 und die Zukunftsperspektiven der Ukraine“; „Die Schrumpf-Schweiz. Auf dem Weg in die Mittelmässigkeit“) – was zweifellos ein grosse Ehre ist –, überlegte ich, ob ich Ihnen als Autor der Rezension der „Schrumpf-Schweiz“ überhaupt schreiben sollte. Zudem ist Ihre Rezension der „Schrumpf-Schweiz“ so schlecht auch nicht ausgefallen – zumindest im Vergleich mit René Zellers Besprechung von „Die überflüssige Schweiz“. Aber Ihre Rezension hat mich punktuell doch enttäuscht – obwohl ich verstehe, dass eine solche Besprechung, aufgrund der beschränkten Platzes, immer selektiv ist –, und ich wollte Ihnen im Sinne eines Diskussionsbeitrages kurz sagen, was mich irritiert hat.

    Sie stellen meine Aussagen so dar, als ginge es mir in meinem Buch nur darum, den Niedergang des Liberalismus und das Wachstum des Staates zu beklagen. Das ist aber eine ziemlich dramatische Verkürzung. Es geht zuerst um eine Analyse von Entwicklungstrends (politische Institutionen, politische Kultur). Zudem sind meine Befunde – wie mir scheint – mit 376 Fussnoten ziemlich gut abgesichert. Wenn man Ihre Rezension liest, hat man hingegen das Gefühl, ich würde einfach so ein bisschen vor mich her phantasieren.

    Ich empfinde die Schweiz auch „als weichgespült, weinerlich, engstirnig und träg“. Ich unterstreiche aber mehrfach, dass viele Schweizerinnen und Schweizer sehr viel leisten: „Natürlich sind dies alles Generalisierungen, die keineswegs auf alle Schweizerinnen und Schweizer zutreffen (wer sich betroffen fühlt, ist gemeint). Natürlich finden sich in der Schweiz viele dynamische, risikobereite, offene, grosszügige Menschen“.

    Es ist kein Widerspruch, auf der Basis von Umfragewerten zu konstatieren, dass die Schweizer Bevölkerung im internationalen Vergleich gar nicht so liberal eingestellt ist, und gleichzeitig die direkte Demokratie zu verteidigen – wobei ich auch zur direkten Demokratie durchaus Kritisches sage, was aber von Ihnen ausgeblendet wird. Einerseits geht es mir zuerst darum, einige weit verbreitete Fehl- und Vorurteile über die direkte Demokratie zu widerlegen. Ich tue dies auf der Basis der neuesten Forschung. Andererseits sind die Einstellungen der Bevölkerung insgesamt natürlich nicht mit dem tatsächlichen Abstimmungsverhalten gleichzusetzen. Zudem: Was ist die Alternative bzw. wäre die Alternative besser? Reiner Eichenberger behauptet wohl zu Recht, dass die Schweizer Bürger „wirtschaftsfreundlicher als viele ihrer eigenen Politiker und Chefbeamten“ sind. Tatsächlich liegt das Problem weniger bei der Bevölkerung, sondern beim Kartell der Staatsinterventionisten in der Politik. Hätten bei uns ausschliesslich die Politiker das Sagen, so wie in repräsentativen Demokratien, stünde es kaum besser um die Schweiz und ihre Wirtschaft, im Gegenteil. Ein Blick auf die USA ist erhellend: Auch die als staatskritisch verschrienen Republikaner haben kräftig zum Ausbau des Staates beigetragen. Klammern wir die Obama-Administration einmal aus, kann man festhalten, dass der amerikanische Staat in den letzten Jahrzehnten unter republikanischen Präsidenten stärker gewachsen ist als unter demokratischen.

    Dass das „Ja“ zu den Minarett-, Abzocker- und Zuwanderungsinitiativen „einem liberalen Ideal“ entsprächen, habe ich nie behauptet – ich weiss nicht, wie Sie auf diese Idee kommen. Bei der Abzocker-Initiative könnte man zudem durchaus darüber diskutieren, wie liberal bzw. illiberal sie ist (Sie können ja mal Ständerat Minder fragen…). Bei jeder Gelegenheit die anderen beiden Beispiele zu bemühen, beweist aber überhaupt nichts. Ich war auch gegen die Zuwanderungsinitiative, aber die jetzige an Hysterie grenzenden Dramatisierungen halte ich für deplatziert. Gefragt wäre mehr Gelassenheit.

    Ich male überhaupt nicht schwarz. Ich analysiere Trends – und einige dieser Trends sind nun einmal negativ. Sie scheinen ein Vertreter einer Vogel-Strauss-Politik zu sein, der nichts Kritisches sehen und hören will. Das ist Ihr gutes Recht. Sie müssten dann aber auch belegen, wo ich einseitig schwarz male. Diese Belege bleiben sie schuldig.

    Dass Sie mich in den Kreis von „Anti-Etatisten“ wie Borner, Köppel und Kappeler stellen, ehrt mich. Sie müssten aber wohl noch einige Ihrer Kollegen der NZZ-Redaktion hinzuzählen… So schöne Zitate wie „Entmündigung des Einzelnen durch Übertragung von immer mehr Aufgaben an die anonyme öffentliche Hand und entfernte Supra-Behörden“ oder „Der Staat ist gefragt. Er soll den Menschen möglichst alle Belastungen und Sorgen abnehmen, die ihnen begegnen. Die Familienpolitik will dies paradoxerweise in einem Bereich, der ureigene, private und persönliche Entscheide betrifft“ kommen aus Ihrer Redaktion! Im Übrigen bin ich keineswegs gegen den Staat. Ich bin für einen schlanken und starken Staat, der sich auf seine Kernkompetenzen konzentriert.

    Dies bringt mich zum zweitletzten Punkt: Dass eine liberale Zeitung wie die NZZ nicht etwas mehr Sympathien gegenüber meinen Thesen hat, irritiert mich – vor allem auch, weil ich der festen Überzeugung bin, dass es weitgehende Übereinstimmung zwischen dem, was ich schreibe, und den Werten gibt, für die die NZZ steht. Ich bedaure es, dass sich in der Schweiz Liberale offensichtlich gegenseitig zerfleischen und dass nur noch ganz wenige Zeitungen und Zeitschriften einer liberalen Streitschrift etwas Positives abgewinnen können. Sonst herrscht nur noch sozialdemokratisch-staatsgläubiger Mainstream.

    Schliesslich finde ich Ihre Kritik, ich liefere keine Rezepte, deplatziert. Ich mache von Beginn an klar, dass dies eben gerade kein Rezeptbuch ist und sein will. Rezeptbücher gibt es genügend – und gute noch dazu. Dass Sie mich für etwas kritisieren, was ich explizit mit meinem Buch nicht erreichen will, ist schon etwas merkwürdig. In dieser Logik können Sie jedes Buch kritisieren, weil es nicht behandelt, was Sie gerne lesen würden.

Geissbühler, Simon (Hrsg.) (2014). Kiew - Revolution 3.0. Der Euromaidan 2013/14 und die Zukunftsperspektiven der Ukraine. Stuttgart: ibidem.


  • Nach der Revolution „auf dem Granit“ von 1990 und der Orangenen Revolution von 2004 hat von November 2013 bis Februar 2014 ein weiterer ukrainischer Volksaufstand, der Euromaidan, das Janukowitsch-Regime weggespült. Die vielschichtigen Probleme der Ukraine sind damit allerdings nicht gelöst. Der revolutionären Euphorie folgte bereits in den ersten Wochen nach der Regierungsneubildung tiefe Ernüchterung. Die russische Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim im März 2014 hat der dritten postsowjetischen ukrainischen Revolution eine gänzlich neue Dimension verliehen und wird eine erfolgreiche Transition des Landes noch komplizierter machen. Der Weg in Richtung Demokratie und Marktwirtschaft dürfte für die Ukraine lang und hart werden.

    In dem vorliegenden Band analysieren renommierte Politikwissenschaftler und Publizisten – Ariel Cohen, Ivan Benovic, Paul Flückiger, Gerhard Gnauck, Rudolf Hermann, Wojciech Konończuk, Taras Kuzio, Ludmila Lutz-Auras, Jakob Mischke, Mykola Rjabtschuk sowie Lilia Shevtsova – die ukrainische Revolution 3.0. Dabei liegt der Fokus unter anderem auf der Entstehung des Euromaidans und dem Verlauf der Revolution, auf geopolitischen und geostrategischen Überlegungen sowie den mittel- und langfristigen politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Perspektiven der Ukraine.

    170 Seiten, Paperback. 2014
    ISBN 978-3-8382-0581-6
    ISSN 1614-3515
  • Preussische Allgemeine Zeitung (6.6.2015)
  • RGOW (2015)
  • Süddeutsche Zeitung (5.8.2014)
  • Neue Zürcher Zeitung (9.7.2014)
  • Voices of Ukraine (5.7.2014)
  • Neues Osteuropa (1/2014)

Geissbühler, Simon (2014). Once Upon a Time Never Comes Again. The Traces of the Shtetl in Southern Podolia (Ukraine). Bern: Projekt 36.


Geissbühler, Simon (2013). Blutiger Juli. Rumäniens Vernichtungskrieg und der vergessene Massenmord an den Juden 1941. Paderborn: Schöningh.


Geissbühler, Simon (2010). Like Shells on a Shore. Synagogues and Jewish Cemeteries of Northern Moldavia. Bern: Projekt 36.

Geissbühler, Simon (2010). Spuren, die vergehen. Auf der Suche nach dem jüdischen Sathmar/Satu Mare. Berlin: Hentrich & Hentrich.

  • RFI, 27.7.2011 (William Totok)
    http://m.rfi.ro/articol/stiri/cultura/fascinatie-fotografica
  • Forward, (2.12.2011)
    http://yiddish.forward.com/node/4065/print/
  • Erasmus Büchercafé, 2.11.2010 (Jürgen Henkel)
    http://www.buechercafe.ro/read/696/spuren-die-vergehen.html
  • Deutsch-Rumänische Hefte XIII(2)/Winter 2010
    http://simongeissbuhler.ch/publikationen/Spuren_die_vergehen.pdf
  • Allgemeine Deutsche Zeitung, (27.8.2010)
    "Die Spuren waren zurückgeblieben. Aber die Zeit würde sie allmählich verwischen, und es wird nichts zurückbleiben", mit diesem Zitat des deutsch-jüdischen Schriftstellers Edgar Hilsenrath wird das Buch eingeleitet. Der Autor Simon Geissbühler, Erster Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Bukarest, hat sich in drei Reisen nach Sathmar und Umgebung aufgemacht, um dort nach den vergehenden Spuren des jüdischen Lebens zu suchen, das im Holocaust fast vollständig ausgelöscht wurde. Und er wurde fündig: Zum Beispiel in Sathmar, wo eine Synagoge mittlerweile von Wohnblocks eingezwängt wird, in Atea an der Grenze zu Ungarn und der Ukraine, wo auf einem Friedhof nur noch ein einziger intakter Grabstein hinter Stacheldraht steht, oder in Coltirea, wo er zufällig ein Gräberfeld entdeckt, das bisher in keinerlei Büchern und Listen angegeben war. Auf diese oftmals ungewisse Spurensuche lässt man sich beim Lesen gerne ein. Zwar ist der 1973 geborene Geissbühler unter anderem studierter Historiker und hat sich schon mehrmals mit den Juden in Osteuropa beschäftigt, sein Buch aber erhebt keine gehobenen wissenschaftlichen Ansprüche und stellt auch keine umfassende Abhandlung über die Juden in Sathmar dar. Vielmehr ist es ein persönlicher, bebilderter Reisebericht über die Suche nach den jüdischen Spuren, dem damaligen Leben, das er immer wieder vor dem inneren Auge vorbeilaufen lässt, und die Suche nach der Antwort auf die Frage: Was bedeutet Heimat? "Es ist etwas anderes, zu Hause heimatlos zu sein als in der Fremde, wo wir in der Heimatlosigkeit ein Zuhause finden können", mit diesem Zitat von Imre Kertész beschreibt er wohl am besten das Dilemma der Sathmarer Juden, sowohl das der zahlreich nach New York City ausgewanderten, als auch das der wenigen zu Hause gebliebenen Juden. Der Autor hinterlässt aber nicht nur Fragen, er schildert auch präzise die von gesellschaftlicher Akzeptanz geprägte Geschichte der Juden in Rumänien bis zur Deportation, beschreibt eindrücklich Land und Leute, kritisiert die fehlende Vergangenheitsbewältigung hierzulande und beklagt die Nichtbeachtung und Vernachlässigung der jüdischen Friedhöfe und Synagogen. Mit seinem Buch erinnert er zumindest an diese bald vergangenen Spuren: "Ich habe den Zerfall gestoppt - natürlich nicht den realen Zerfall, denn ich reise mit dem Notizbuch und nicht mit dem Spaten, der Axt und der Säge, sondern den Zerfall der Erinnerung an die jüdische Präsenz, an das Leben, an die Vielfalt. Und natürlich ist der Zerfall nur gestoppt für einen Augenblick - bis dieses Buch keine Leser mehr hat, bis es zerfällt, sich auflöst in Fetzen, Partikel. Bis dann aber - immerhin - gibt es wieder eine Erinnerungsspur. Jeder, der diese Zeilen liest, trägt die Erinnerung weiter."
  • www.punkto.ro (23.8.2010):
    "Es kommt nicht selten vor, wahrscheinlich öfters, als man denkt: etwas rückt aus der Blicklinie, gerät in einen toten Winkel. Man ahnt zwar irgendwie, dass es dort ist, dass dieses gewisse Etwas existiert. Aber man nimmt es nicht mehr richtig wahr. Dann verschwindet es vollkommen. Bis jemand kommt und die Blicklinie so verschiebt, dass das Unsichtbare wieder sichtbar wird. Simon Geissbühlers neuestes Buch, "Spuren, die vergehen", (Hentrich & Hentrich, Berlin, ISBN 978-3-942271-00-4), hat eine solche Wirkung: das Unsichtbare wieder ins Sichtfeld rücken. Dieses auch durch die Tabuisierung des Themas und die unterbelebte Erinnerungskultur unsichtbar gewordene Etwas ist das rumänische Judentum. Dem Untertitel nach konzentriert sich der Autor auf ein bestimmtes Gebiet: "Auf der Suche nach dem jüdischen Sathmar/Satu Mare". Aber das kann irreführend sein, denn die Suche ist eben nicht auf ein klar abgestecktes Areal beschränkt - sie führt ausserhalb von Satu Mare, aber auch ausserhalb des Geographischen in das Geschichtliche und Sozialpsychologische. In seinem Drang, dem jüdischen Leben nachzuspüren, erforscht der Schweizer Geissbühler die Friedhöfe. Das ist kein Widerspruch in und an sich. Die Friedhöfe sind zuerst und vor allem Orte der Stille, er sieht dort "das Leben, jüdisches Leben, das Zusammenleben der Juden mit den Nichtjuden, das oft angespannt und konfliktreich, bisweilen aber durchaus harmonisch war". Anstoss für die Auseinandersetzung mit den "Spuren, die vergehen" gab eine Geschichte, die Geissbühler in Bukarest erlebt: Ihm fallen, wie so vielen (oder sind es wenige?) von uns, die Krähenschwärme auf, die mehrmals im Jahr Bukarest überfliegen. Wo liegt wohl deren Heimat? Er findet sie, ohne danach zu suchen, auf einem jüdischen Friedhof mitten in Bukarest. So beginnt eine Entdeckungsreise, eine Geschichte mit Dokumentationswert. So ist ein Buch entstanden, das kein trockener Archäologiebefund ist. Sondern erstklassige Literatur, die etwas traurig und auch nachdenklich stimmt - denn die Spuren vergehen, und irgendwann einmal werden sie dann ganz verschwinden, nicht nur aus unserem engen Sichtfeld".

Geissbühler, Simon (2009). Jüdische Friedhöfe der Bukowina. Ein Bilderbuch für Touristen und gegen das Vergessen. Bukarest: NOI Media Print

(auch erhältlich in Rumänisch: Cimitire evreieşti din Bucovina, Englisch: Jewish Cemeteries of Bucovina, Französisch: Cimetières juifs de Bucovine sowie Ukrainisch).


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  • Allgemeine Deutsche Zeitung, Bukarest
    Ein Buch gegen das Vergessen. Simon Geissbühler fotografierte jüdische Friedhöfe in der Bukowina / Von Olivia Costea:
    In der IF Gallery in Bukarest hat am 25. Juni eine Buchvorstellung der etwas besonderen Art stattgefunden. Die Räume der Galerie waren mit ausdrucksstarken Bildern von jüdischen Friedhöfen geschmückt. Triste Bilder, die jüdische Friedhöfe zur Winterzeit zeigten, sowie Bilder in warmen Farben von Friedhöfen in einer frühsommerlichen Atmosphäre zeigten sich dem Betrachter. Sie wiesen auf ein Thema hin, das in Rumänien vielen Menschen in seiner Bedeutung nicht bewusst ist, nämlich auf die jüdische Kultur und Geschichte in diesem Land. Das Buch "Jüdische Friedhöfe der Bukowina" rückt diese erneut in das Bewusstsein. Der Autor, Dr. Simon Geissbühler, ist Schweizer Diplomat und seit 2007 Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Bukarest. Eine Reise durch die Bukowina führte zu zufälligen Entdeckungen: In Radautz stiess er auf eine Synagoge und in der Stadt Siret auf einen jüdischen Friedhof. Es waren Orte, an denen er nicht damit gerechnet hätte, denn in keinem Reiseführer waren diese kulturellen Schätze angegeben. Mit seinem Fotoband wollte der Autor einen Reiseführer anbieten, der auf die Spuren der jüdischen Geschichte der Bukowina führt. Aber es ist viel mehr geworden. Es ist ein schönes Buch, das einen Reiseführer, ein Reisetagebuch und einen Bildband vereint. Es versucht die Neugier des Lesers zu wecken und eine spirituelle Pilgerfahrt durch die Bukowina anzuregen.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, (07.07.2011)
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/2.1717/jedoch-die-alte-frau-kann-sterben-17026.html

Geissbühler, Simon (Hrsg.) (2008). Der amerikanische Neokonservatismus und die Aussenpolitik der USA. Berlin: Lit Verlag.

Buchcover

Geissbühler, Simon (2007). Babuschka Anna. Das Leben einer ukrainischen Bäuerin im 20. Jahrhundert. Wien: Lit Verlag.